Kinixys belliana

Die Nominatform Kinixys belliana auch Bells Glattrandgelenkschildkröte. 
Von dieser Art ist nur die Nominatform als Unterart bekannt .

Noch vor 20 Jahren zählte man zu Kinixys belliana noch vier Unterarten Kinixys b. belliana, Kinixys b. mertensi (Laurent 1956), Kinixys b. natalensis und Kinixys b. nogueyi. Für Kinixys b. mertensi fehlt der Nachweis (Zentralafrika)

Die Glattrand-Gelenkschildkröte zählt mit einer Carapaxlänge von 20 bis 22 Zentimetern zu den kleinen Landschildkröten.

Die Farbe des Rückenpanzers ist sehr variabel. Sie reicht von einer hellen Hornfarbe über ein Gelbgrün, Gelblich oder Rotbraun. Wie alle Gelenkschildkröten weist auch die Glattrand-Gelenkschildkröte im hinteren Teil des Rückenpanzers ein Scharnier auf, durch das sie in der Lage ist, den Panzer herunterzuklappen und auf diese Weise Schwanz und die hinteren Gliedmaßen zu schützen. Dies ist nur bei ausgewachsenen Tieren zu finden. Bei Jungtieren fehlt dies noch. Sie weisen lediglich eine geringfügige Verschiebung der Rand- und Rippenschilde im hinteren Bereich des Körpers auf.

Verbreitung

Kinixys belliana bewohnt Zentral- und südliches Afrika, Kamerun bis Angola, Äthiopien, Madagaskar (wo sie eingeführt wurde). Die Nominatform Kinixys b. belliana hat ihr Verbreitungsgebiet vom Nordosten der Demokratischen Republik Kongo über Äthiopien und Somalia bis Uganda und dem Westen Kenias. 
Hier bewohnt Kinixys belliana belliana vorallem Savannen, Buschland, trockenes grasbewachsenes Hügelland. In früherer Zeit wurden Bells Glattrandgelenkschildkröten noch häfig angetroffen und gesammelt. In den letzten Jahren allerdings haben die Bestände deutlich abgenommen. Vor allem Brandrodungen und Ansiedelung durch den Menschen gefährden die Art immer weiter. Da die Landbevölkerung arm ist und Schildkrötenfänger eine sichere Einnahmequelle darstellen, wird sich an diesem Zustand auch in den nächsten Jahrzehnten nichts ändern. Trotz Schutzmaßnahmen sind die Tiere im eigenen Land nur eine "wertlose" Handelsware und in ihren Beständen stark bedroht..

Haltung
Die Tiere vermeiden Trockenheit in dem sie sich in heißen Sommern eingraben und erst zur Regenzeit wieder an die Oberfläche kommen. Leider hat man die Nominatform oft zu trocken und staubig gehalten was sehr schnell in einer Nahrungsverweigerung und im Laufe dieser zum ausbreiten von Erkrankungen der Oberen Atemwegen führte. Kinixys b. belliana lässt sich sehr gut in einem Terrarium von 1,2 m² Grundfläche halten.
Sie wurde in der Literatur immer als die am leichtesten zu haltende Kinixys beschrieben, wobei auch hier die Grundbedürfnisse was Wasser und Nahrungsangebot betrifft, einzuhalten sind.

Ihr Temperaturbedürfnis liegt zwischen 20 und 30 C° die lokale Wärme unter einer Wärmelampe kann 35 bis 40 C° ansteigen. Sie nimmt in den frühen Morgenstunden auch Sonnenbäder. 
Allerdings müssen auch kühlere Bereiche vorhanden sein.
In der Nacht kann die Temperatur auf 20 C°/22 C° abgesenkt werden. Temperaturen unter 18 C° werden schlecht vertragen, es drohen Erkältungen.

Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 - 80 % (morgens und abends besprühen) fühlt sich Kinixys b. belliana am wohlsten. Grelles Licht meiden die Schildkröten. Als Wärmequelle und als Unterschlupf verwenden wir eine Wärmeplatte (Headpanel). Zum gelegentlichen Sonnen, benutzen wir seit Jahren 50 Watt Bright Sun bzw. Halogen Strahler die über einer Schieferplatte niedrig angebracht wurden. Die Temperatur unter dem Strahler sollte 35 C°  bis 40 C° haben. Als Beleuchtung wird eine Sparbirne 25 Watt mit UV B Anteil oder eine LED 18 Watt Flood von Lucky Reptile aus dem Zoohandel verwendet. Seit zwei Jahren testen wir LED Strips aus dem Zooversand mit 6000 Kelvin Lichtfarbe mit recht gutem Erfolg.
Ein Wasserbecken in dem die Schildkröten gern baden darf nicht fehlen.

Eine Beleuchtung im Sonnenspektrum wie es für andere Afrikanische Arten wie z.B. der Pantherschildkröte empfohlen ja sogar notwendig ist, führt bei Kinixys zur Vermeidungshaltung, entweder die Tiere graben sich ein oder bleiben in ihrem Unterschlupf. Es ist also ratsam das Becken nicht komplett aus zu leuchten.

Als Jungtier bevorzugt sie eine eher versteckte Lebensweise in der Natur verstecken sie sich unter Totholz oder in unbewohnten Bauten.

Bedenken sollte man, dass Schildkröten Einzelgänger sind. Vor allem die Männchen sind nach der geschlechtsreife wahre Raufbolde. Es empfiehlt sich Männchen und Weibchen getrennt oder in kleinen Gruppen von einem Männchen mit mehreren Weibchen zu halten 

Ernährung

Kinixys b.belliana gilt als wählerisch was das Futter angeht. Wild-, Wiesen- und Küchenkräuter, Heupellets, verschiedene Salate (kein Eisberg und kein Kopfsalat), aber auch verschiedene frische Pilze sind den anderen Futtersorten vorzuziehen.

Wiesenkräuter: Löwenzahn, Sitzwegerich, Gänseblümchen, Gänsedistel, Klee, Hirtentäschel, Ferkelskraut etc.
Aber auch Blüten, wie Rosen, Malve, Stockrosen, Vergissmeinnicht, Nacht- und Königskerze, Zuchiniblüten usw. 

Seltener werden Obstkompott und überreife Bananen, Tomaten, Fisch, Babymäuse,  Melonen, Gurken sowie Insekten z.B. Heuschrecken usw. angeboten.

Von Zophobas und/oder Mehlwürmern möchte ich abraten, sie sind schwer verdaulich und enthalten sehr viel Fett.

Verboten ist hier die Fütterung mit handelsüblichem Hunde- und/oder Katzenfutter.

Manchmal bedarf es etwas Geduld und Fantasie bis die Tiere ans Futter gehen.

Zu beachten bleibt, dass die vegetabile Ernährung in Gefangenschaft den größten Teil der Fütterung ausmachen muss. Obst und tierisches Protein sollte immer ein Highlight bleiben, das einmal wöchentlich in Maßen gereicht wird.

Vermehrung

Stimmen alle Parameter kommt es sehr schnell zu Paarungsaktivitäten. Nach 3 bis 6 Wochen legt Kinixys b.belliana 3 bis 5 Eier. Beim Inkubieren ist darauf zu achten, dass die Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 80 % schwanken sollte. Eine zu feuchte (über 80 %) Inkubation führt zum Absterben des Embryos. Bei einer Temperatur von (28 C°) 30,2 C° (höchstens 31 C°) beträgt die Brutzeit 112 bis 120 höchstens 138 Tage.
Als Brutsubstrat wurde schon vieles mit unterschiedlichen Ergebnissen ausprobiert. So verwenden einige Züchter feuchtes Vermiculite, andere schwören auf Perlite.
In der Literatur bei  Jasser-Häger & Philippen, 2004 wurde auf trockenem Kies inkubiert. Dennoch ist die Schlupfrate bei 10 % immer noch sehr gering.

Zur Zeit zeitigen wir Eier auf gewässertem Pflanzgranulat, es wird weitere Bruten benötigen bis man zu guten und vorzeigbaren Ergebnissen kommt.. 

Aufzucht
Als Aufzuchtsbecken eignen sich je nach Anzahl der Jungtiere Terrarien aus Forex oder Integralschaumplatten ab 60 cm, diese haben den Vorteil, dass sie Feuchtigkeit und Wärme gut halten, auch lassen sie sich sehr gut reinigen und desinfizieren.
Diese Art der Becken ist zwar etwas kostspieliger als OSB oder Glas, dafür haben sie ein geringes Gewicht, sind wasserbeständig, dünsten keine schädlichen Stoffe aus und sind zudem noch energiesparend.
Auch hier verwenden wir ein Headpanel als Unterschlupf (23,5 C°) eine Halogen Lampe als Wärmequelle und eine Sparbirne aus dem Zoofachhandel mit UVB Anteil.

Die Tatsache, dass man 2016 noch 500 Kinixys belliana aus Togo und 200 Tiere aus Benin eingeführt wurden, macht ein Handelsverbot mehr als überfällig
.

Washingtoner Artenschutzübereinkommen [WA]
Anhang:II
        Testudinidae spp.
Verordnung (EU) 2016/2029 [EG]
Anhang:B
        Testudinidae spp.
streng bzw. besonders geschützt nach BNatSchG [BG]
Status:b
        Kinixys belliana
Detaillierte Schutzdaten:
Unterschutzstellung Datum  
Erstlistung seit 20.06.76  
Besonders geschützt nach BNatSchG seit 31.08.80


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Update 12. Juli 2019